Eine Stop-Loss-Order klingt für viele Anleger wie ein Sicherheitsgurt: Fällt der Kurs unter eine bestimmte Marke, wird automatisch verkauft und der Verlust bleibt begrenzt. In der Praxis ist diese Sicherheit aber nicht so absolut, wie sie auf den ersten Blick wirkt. Gerade bei Kurssprüngen, Kurslücken, hektischen Börsenphasen oder wenig gehandelten Wertpapieren kann eine Stop-Loss-Order zu einem deutlich schlechteren Preis ausgeführt werden als erwartet.
Das Problem: Ein Stop-Loss ist keine Garantie für deinen Wunschpreis. Er ist zunächst nur ein Auslöser. Wird dieser Auslöser erreicht, entsteht daraus häufig eine Market-Order. Und eine Market-Order verkauft zum nächsten verfügbaren Preis – nicht zwingend zu dem Preis, den du im Kopf hattest.
In diesem Artikel erfährst du verständlich und praxisnah, wo die Risiken von Stop-Loss, Stop-Limit, Limit-Order und Market-Order liegen, warum Kurssprünge so gefährlich sein können und wie du als Privatanleger bessere Entscheidungen triffst. Wenn du die Grundlagen zu Aktien noch einmal auffrischen möchtest, findest du hier zusätzlich eine gute Übersicht zu den wichtigsten Aktien-Grundlagen.
Gliederung
- Kurzfassung: Das wichtigste Problem bei Stop-Loss-Orders
- Wie funktioniert eine Stop-Loss-Order?
- Warum Kurssprünge und Kurslücken so gefährlich sind
- Praxisbeispiel: Wenn der Stop-Loss viel schlechter ausgeführt wird
- Stop-Limit-Order: Mehr Kontrolle, aber keine Ausführungsgarantie
- Limit-Order: Guter Preis, aber vielleicht kein Verkauf
- Market-Order: Schnelle Ausführung, aber Preisrisiko
- Vergleich der wichtigsten Ordertypen
- Typische Fehler von Privatanlegern
- Wie du Order-Risiken besser steuerst
- Fazit: Stop-Loss ist ein Werkzeug, keine Versicherung
Kurzfassung: Das wichtigste Problem bei Stop-Loss-Orders
Die größte Gefahr einer Stop-Loss-Order ist der Unterschied zwischen Stop-Kurs und tatsächlichem Ausführungskurs. Viele Anleger glauben: Wenn sie bei 95 Euro einen Stop-Loss setzen, wird ungefähr bei 95 Euro verkauft. Das kann funktionieren, muss aber nicht.
Besonders riskant wird es, wenn der Kurs nicht langsam von 100 auf 99, 98, 97, 96 und 95 Euro fällt, sondern plötzlich von 100 auf 88 Euro springt. Dann wird der Stop bei 95 Euro zwar ausgelöst, aber die eigentliche Verkaufsorder trifft erst auf den Markt, wenn die nächste handelbare Kursstellung deutlich tiefer liegt.
Genau deshalb ist es wichtig, Ordertypen nicht nur als einfache Knöpfe im Depot zu verstehen. Sie greifen direkt in die Kursbildung ein. Wenn dich interessiert, wie Aktienkurse im Handel überhaupt entstehen, passt dazu auch die interaktive Simulation zur Preisberechnung von Aktienkursen.
Wie funktioniert eine Stop-Loss-Order?
Eine Stop-Loss-Order besteht aus einem Stop-Kurs. Dieser Kurs liegt bei einer Verkaufsorder unter dem aktuellen Kurs. Sobald der Markt diesen Stop-Kurs erreicht oder unterschreitet, wird die Order aktiviert.
Der entscheidende Punkt: Der Stop-Kurs ist meistens nur der Auslöser
Bei vielen klassischen Stop-Loss-Orders passiert nach dem Auslösen Folgendes:
- Du besitzt eine Aktie, die aktuell bei 100 Euro steht.
- Du setzt einen Stop-Loss bei 95 Euro.
- Der Kurs fällt auf 95 Euro oder darunter.
- Deine Stop-Order wird aktiviert.
- Aus der Stop-Order wird eine Verkaufsorder zum nächsten verfügbaren Marktpreis.
Das bedeutet: Der Stop-Kurs von 95 Euro garantiert nicht, dass du auch zu 95 Euro verkaufst. Er bedeutet nur, dass ab dieser Schwelle ein Verkaufsauftrag ausgelöst wird.
Warum Anleger Stop-Loss-Orders trotzdem nutzen
Stop-Loss-Orders haben durchaus sinnvolle Einsatzbereiche. Sie können helfen, Verluste zu begrenzen, Gewinne teilweise abzusichern oder eine vorher festgelegte Handelsstrategie diszipliniert umzusetzen. Besonders bei aktiveren Strategien wie der Trendfolgestrategie mit Aktien können Stop-Marken ein Bestandteil des Risikomanagements sein.
Problematisch wird es aber, wenn Anleger den Stop-Loss als automatische Verlustversicherung betrachten. Das ist er nicht. Er ist ein technisches Werkzeug mit eigenen Nebenwirkungen.
Warum Kurssprünge und Kurslücken so gefährlich sind
Eine Stop-Loss-Order ist vor allem dann gefährlich, wenn der Markt nicht kontinuierlich handelt, sondern springt. Solche Kurssprünge entstehen zum Beispiel durch Nachrichten, Quartalszahlen, Gewinnwarnungen, Übernahmen, geopolitische Ereignisse, Zinsentscheidungen oder starke Bewegungen an ausländischen Börsen.
Was ist eine Kurslücke?
Eine Kurslücke entsteht, wenn zwischen zwei Kursen ein Bereich liegt, in dem praktisch kein Handel stattgefunden hat. Beispiel: Eine Aktie schließt am Abend bei 100 Euro. Über Nacht kommt eine schlechte Nachricht. Am nächsten Morgen eröffnet die Aktie direkt bei 86 Euro. Zwischen 100 und 86 Euro gab es dann keinen normalen, fließenden Handel.
Genau solche Situationen sind für Stop-Loss-Orders kritisch. Wenn dein Stop-Loss bei 95 Euro lag, kann er nicht magisch bei 95 Euro ausgeführt werden, wenn es dort keine Käufer gibt. Der Auftrag wird erst dort ausgeführt, wo tatsächlich Nachfrage im Markt vorhanden ist.
Eine ausführliche Erklärung, warum solche Bewegungen oft außerhalb der regulären Handelszeit entstehen, findest du auch im Artikel warum Börsen nicht 24 Stunden am Tag geöffnet haben.
Slippage: Der unsichtbare Verlust zwischen Wunsch und Realität
Der Unterschied zwischen erwartetem Ausführungskurs und tatsächlichem Ausführungskurs wird häufig als Slippage bezeichnet. Bei sehr liquiden Standardwerten ist dieser Unterschied oft klein. Bei Nebenwerten, Hebelprodukten, sehr volatilen Aktien, ETFs in Stressphasen oder Kryptowerten kann er aber erheblich sein.
Slippage entsteht besonders häufig, wenn:
- der Markt sehr schnell fällt oder steigt,
- wenige Käufer oder Verkäufer im Orderbuch stehen,
- der Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs groß ist,
- viele Stop-Orders gleichzeitig ausgelöst werden,
- außerhalb der Haupthandelszeiten gehandelt wird,
- das Wertpapier selbst illiquide ist.
Praxisbeispiel: Wenn der Stop-Loss viel schlechter ausgeführt wird
Angenommen, du kaufst eine Aktie zu 100 Euro und setzt einen Stop-Loss bei 92 Euro. Dein Gedanke: Mehr als rund 8 Prozent möchte ich nicht verlieren.
| Situation | Gedachter Kurs | Tatsächliche Entwicklung | Folge |
|---|---|---|---|
| Kaufkurs | 100 Euro | 100 Euro | Du kaufst die Aktie. |
| Stop-Loss | 92 Euro | Stop-Kurs wird festgelegt. | Der Verkauf soll automatisch ausgelöst werden. |
| Negative Nachricht | Verkauf nahe 92 Euro erwartet | Die Aktie eröffnet am nächsten Tag bei 81 Euro. | Der Stop wird ausgelöst, aber nicht bei 92 Euro ausgeführt. |
| Ausführung | Etwa 92 Euro | Verkauf zu 80,70 Euro | Der Verlust ist viel größer als geplant. |
In diesem Beispiel wolltest du deinen Verlust auf etwa 8 Prozent begrenzen. Tatsächlich entsteht aber ein Verlust von rund 19 Prozent. Die Stop-Loss-Order hat also nicht verhindert, dass du viel schlechter aus dem Markt kommst. Sie hat nur dafür gesorgt, dass du nach dem Kurssprung automatisch verkauft wurdest.
Das besonders Ärgerliche: Der Kurs kann sich danach wieder erholen
Eine weitere typische Falle: Der Kurs fällt kurz stark, löst viele Stop-Loss-Orders aus und erholt sich anschließend wieder. Dann wurdest du möglicherweise nahe am Tiefpunkt automatisch aus deiner Position gedrückt, obwohl sich die Aktie später wieder stabilisiert.
Das passiert vor allem bei hektischen Marktphasen, sogenannten Flash-Crash-Bewegungen oder sehr nervösen Einzelwerten. Wer langfristig investiert, sollte sich deshalb fragen, ob ein automatischer Verkauf wirklich zur eigenen Strategie passt. Bei einer langfristigen Buy-and-Hold-Strategie kann ein enger Stop-Loss sogar kontraproduktiv sein.
Stop-Limit-Order: Mehr Kontrolle, aber keine Ausführungsgarantie
Eine Stop-Limit-Order soll ein Problem der normalen Stop-Loss-Order abmildern: den Verkauf zu einem beliebig schlechten Marktpreis. Dafür kombinierst du zwei Marken:
- Stop-Kurs: Ab diesem Kurs wird die Order aktiviert.
- Limit-Kurs: Unter diesem Preis darf nicht verkauft werden.
Beispiel für eine Stop-Limit-Order
Du besitzt eine Aktie zu 100 Euro. Du setzt:
- Stop-Kurs: 92 Euro
- Limit-Kurs: 90 Euro
Fällt die Aktie auf 92 Euro, wird die Order aktiviert. Verkauft wird aber nur, wenn mindestens 90 Euro erzielt werden können. Damit schützt du dich vor einer extrem schlechten Ausführung zu 84, 80 oder 75 Euro.
Das neue Risiko: Die Order wird vielleicht gar nicht ausgeführt
Der Schutz vor einem schlechten Preis hat seinen Preis: Wenn die Aktie direkt von 100 auf 85 Euro fällt, wird deine Stop-Limit-Order zwar aktiviert, aber nicht ausgeführt. Denn dein Limit liegt bei 90 Euro und der Markt handelt bereits darunter.
Dann bleibst du investiert, obwohl du eigentlich aussteigen wolltest. Fällt der Kurs weiter auf 75 oder 60 Euro, bist du weiterhin dabei. Die Stop-Limit-Order schützt also vor schlechter Ausführung, aber nicht sicher vor weiter fallenden Kursen.
Stop-Loss oder Stop-Limit: Was ist besser?
Es gibt keine pauschal bessere Variante. Es geht um die Frage, welches Risiko du eher akzeptierst:
- Stop-Loss: Höhere Chance auf Ausführung, aber möglicherweise zu einem schlechten Preis.
- Stop-Limit: Bessere Kontrolle über den Mindestpreis, aber keine sichere Ausführung.
Bei sehr liquiden Aktien kann Stop-Limit sinnvoll sein, wenn du einen kleinen Puffer zwischen Stop und Limit einbaust. Bei sehr volatilen oder illiquiden Wertpapieren kann die Order aber schnell unausgeführt bleiben.
Limit-Order: Guter Preis, aber vielleicht kein Verkauf
Eine Limit-Order legt fest, zu welchem Preis du höchstens kaufen oder mindestens verkaufen willst. Sie ist deshalb ein wichtiges Werkzeug, um nicht zu jedem beliebigen Kurs zu handeln.
Limit-Order beim Kauf
Bei einer Kauf-Limit-Order sagst du: Ich kaufe nur bis zu einem bestimmten Höchstpreis. Beispiel: Eine Aktie steht bei 50 Euro, du gibst ein Kauflimit von 48 Euro ein. Dann wird nur gekauft, wenn die Aktie für 48 Euro oder günstiger erhältlich ist.
Limit-Order beim Verkauf
Bei einer Verkaufs-Limit-Order sagst du: Ich verkaufe nur ab einem bestimmten Mindestpreis. Beispiel: Eine Aktie steht bei 50 Euro, du setzt ein Verkaufslimit bei 55 Euro. Dann wird nur verkauft, wenn mindestens 55 Euro möglich sind.
Das Risiko der Limit-Order
Die Limit-Order schützt dich vor einem zu schlechten Preis. Dafür besteht aber das Risiko, dass deine Order gar nicht oder nur teilweise ausgeführt wird. Das ist vor allem dann wichtig, wenn du wirklich dringend kaufen oder verkaufen möchtest.
Eine Limit-Order ist deshalb sinnvoll, wenn dir der Preis wichtiger ist als die sofortige Ausführung. Sie ist weniger geeignet, wenn du in einer Stresssituation unbedingt schnell aus einer Position herauswillst.
Market-Order: Schnelle Ausführung, aber Preisrisiko
Eine Market-Order ist die einfachste und schnellste Orderart. Du kaufst oder verkaufst zum nächsten verfügbaren Marktpreis. Das klingt praktisch, kann aber teuer werden.
Warum Market-Orders gefährlich sein können
Bei einer Market-Order verzichtest du auf eine Preisgrenze. Du sagst dem Markt sinngemäß: Führe diese Order möglichst schnell aus. Der Preis ist zweitrangig.
Das ist bei sehr liquiden Wertpapieren während normaler Handelszeiten oft unproblematisch. Bei weniger liquiden Aktien, großen Orders, hektischen Märkten oder außerhalb der Haupthandelszeiten kann es aber zu schlechten Ausführungen kommen.
Beispiel: Market-Order frisst sich durch das Orderbuch
Angenommen, du möchtest 500 Aktien per Market-Order verkaufen. Im Orderbuch stehen aber nur wenige Kaufaufträge:
| Käufer | Stückzahl | Kaufpreis |
|---|---|---|
| 1. Käufer | 100 Stück | 50,00 Euro |
| 2. Käufer | 150 Stück | 49,40 Euro |
| 3. Käufer | 150 Stück | 48,70 Euro |
| 4. Käufer | 100 Stück | 47,90 Euro |
Deine 500 Aktien werden dann nicht komplett zu 50 Euro verkauft. Ein Teil wird zu 50 Euro ausgeführt, der Rest zu niedrigeren Preisen. Der Durchschnittspreis kann deutlich schlechter sein als der Kurs, den du kurz vorher im Depot gesehen hast.
Vergleich der wichtigsten Ordertypen
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht der unterschiedlichen Ordertypen.
| Ordertyp | Vorteil | Hauptrisiko | Besonders kritisch bei |
|---|---|---|---|
| Market-Order | Schnelle Ausführung | Kein garantierter Preis | Volatilität, großen Spreads, geringer Liquidität |
| Limit-Order | Preisgrenze schützt vor schlechter Ausführung | Keine sichere Ausführung | Schnell steigenden oder fallenden Märkten |
| Stop-Loss | Automatischer Ausstieg nach Unterschreiten einer Marke | Ausführung kann deutlich schlechter sein als der Stop-Kurs | Kurslücken, Crashs, schlechten Nachrichten über Nacht |
| Stop-Limit | Stop-Auslöser plus Mindestpreis beim Verkauf | Order kann unausgeführt bleiben | Starken Kurssprüngen unter das Limit |
| Trailing Stop | Stop-Marke zieht bei steigenden Kursen automatisch nach | Kann durch normale Schwankungen ausgelöst werden | Volatilen Aktien und zu engem Abstand |
Typische Fehler von Privatanlegern
Fehler 1: Stop-Loss zu eng setzen
Viele Anleger setzen den Stop-Loss direkt unter den aktuellen Kurs, um möglichst wenig zu verlieren. Das klingt vorsichtig, führt aber oft dazu, dass normale Kursschwankungen den Stop auslösen. Besonders Aktien bewegen sich selten geradlinig. Selbst gute Unternehmen können an einem normalen Börsentag mehrere Prozent schwanken.
Fehler 2: Runde Marken verwenden
Stopps bei 100, 95, 90 oder 80 Euro sind beliebt. Genau deshalb können dort besonders viele Orders liegen. Wird eine solche Marke unterschritten, können viele automatische Verkäufe gleichzeitig ausgelöst werden. Dadurch kann der Abwärtsdruck kurzfristig noch größer werden.
Fehler 3: Stopps bei illiquiden Werten nutzen
Bei kleinen Nebenwerten, exotischen ETFs, Zertifikaten oder selten gehandelten Wertpapieren kann der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs groß sein. Ein Stop-Loss kann dort zu einer besonders schlechten Ausführung führen.
Fehler 4: Außerhalb der Haupthandelszeit handeln
Vor- und Nachbörsenhandel klingt praktisch, ist aber nicht immer ideal. Häufig ist weniger Liquidität im Markt und die Spreads können breiter sein. Wer in solchen Phasen Market-Orders oder Stop-Orders nutzt, kann schlechtere Ausführungen bekommen.
Fehler 5: Stop-Loss ohne Strategie setzen
Ein Stop-Loss sollte nicht zufällig gewählt werden. Er muss zur Strategie, zur Positionsgröße, zur Volatilität des Wertpapiers und zum persönlichen Risiko passen. Wer planlos Stopps setzt, handelt oft emotional und wird in normalen Schwankungen ausgestoppt.
Viele dieser Fehler gehören zu den typischen Verhaltensmustern, die Anleger langfristig Rendite kosten. Passend dazu findest du auf Andinet auch einen Überblick über häufige Fehler beim Investieren.
Wie du Order-Risiken besser steuerst
1. Nutze Stop-Loss nicht als Ersatz für Positionsgröße
Das wichtigste Risikomanagement beginnt vor dem Kauf. Wenn eine einzelne Position so groß ist, dass dich ein Kurssprung ernsthaft in Schwierigkeiten bringt, ist die Position möglicherweise zu groß. Ein Stop-Loss kann eine zu hohe Positionsgröße nicht zuverlässig reparieren.
2. Achte auf Liquidität und Spread
Bevor du eine Order aufgibst, solltest du prüfen, wie eng Kauf- und Verkaufskurs beieinanderliegen. Ein enger Spread spricht meist für mehr Liquidität. Ein breiter Spread ist ein Warnsignal, besonders wenn du per Market-Order handeln möchtest.
3. Handle möglichst während liquider Marktphasen
Bei deutschen Aktien ist häufig die Xetra-Haupthandelszeit relevant. Bei US-Aktien ist die US-Haupthandelszeit besonders wichtig. Wer außerhalb der wichtigsten Handelszeit handelt, nimmt oft schlechtere Liquidität und größere Spreads in Kauf.
4. Verwende Limit-Orders für geplante Käufe und Verkäufe
Wenn du nicht sofort handeln musst, ist eine Limit-Order oft besser als eine Market-Order. So bestimmst du vorher, welchen Preis du maximal zahlen oder mindestens erhalten möchtest.
5. Setze Stopps nicht nur nach Gefühl
Ein sinnvoller Stop kann sich an Volatilität, Chartmarken, Unternehmensereignissen oder deiner Strategie orientieren. Bei stark schwankenden Aktien braucht ein Stop mehr Abstand als bei ruhigen Standardwerten. Wer sich intensiver mit Strategien beschäftigt, kann auch Artikel wie Momentumstrategie für Aktien oder Value Investing beim Aktienkauf als Ergänzung lesen.
6. Prüfe, ob Stop-Loss zu deiner Anlagestrategie passt
Ein langfristiger Investor, der ein breit gestreutes ETF-Portfolio aufbaut, braucht oft andere Regeln als ein kurzfristiger Trader. Bei einem ETF-Sparplan für Anfänger steht meist der langfristige Vermögensaufbau im Vordergrund. Ein enger Stop-Loss kann dort dazu führen, dass du ausgerechnet in schwachen Marktphasen verkaufst und anschließend den Wiedereinstieg verpasst.
7. Plane vorher, was bei schlechten Nachrichten passiert
Viele Anleger denken erst nach einer Gewinnwarnung, einem Crash oder einer starken Kurslücke über ihr Risiko nach. Besser ist ein Plan vor dem Kauf: Warum kaufst du? Wann würdest du verkaufen? Welche Nachricht würde deine Investmentthese zerstören? Und wie viel Verlust ist für dich akzeptabel?
8. Prüfe Ordergültigkeit und Handelsplatz
Je nach Broker kannst du unterschiedliche Ordergültigkeiten, Handelsplätze und Ordertypen wählen. Eine Tagesorder verhält sich anders als eine länger gültige Order. Auch der gewählte Handelsplatz kann Einfluss auf Liquidität, Spread und Ausführung haben.
Besondere Risiken bei ETFs, Einzelaktien und Krypto
Stop-Loss bei ETFs
ETFs gelten als breit gestreut und einfach, aber auch hier können Stop-Loss-Orders problematisch sein. In extremen Marktphasen kann der Spread steigen, und der ETF-Kurs kann kurzfristig stärker vom fairen Wert des zugrunde liegenden Index abweichen. Wer langfristig investiert, sollte deshalb genau überlegen, ob automatische Verkaufsmarken wirklich zur Strategie passen. Mehr Hintergründe findest du im Artikel über Nachteile und Kritikpunkte von ETFs.
Stop-Loss bei Einzelaktien
Einzelaktien reagieren oft stark auf Unternehmensnachrichten. Gewinnwarnungen, Übernahmen, Bilanzprobleme oder Analystenreaktionen können zu großen Kurslücken führen. Eine Stop-Loss-Order schützt dich dann nicht zuverlässig vor einem deutlich schlechteren Ausführungskurs.
Stop-Loss bei Kryptowährungen
Kryptomärkte handeln oft rund um die Uhr und können extrem volatil sein. Stop-Orders können dort sehr schnell ausgelöst werden. Gleichzeitig hängt die Ausführung stark von Börse, Liquidität und Orderbuch ab. Wenn du dich für dieses Thema interessierst, passt dazu der Artikel wie der Handel auf Krypto-Börsen funktioniert.
Wann Stop-Loss trotzdem sinnvoll sein kann
Trotz aller Risiken sind Stop-Loss-Orders nicht grundsätzlich schlecht. Sie können sinnvoll sein, wenn du sie bewusst einsetzt und ihre Grenzen verstehst.
- Du möchtest bei kurzfristigen Trades eine klare Ausstiegsregel haben.
- Du willst emotionale Entscheidungen reduzieren.
- Du kannst die mögliche Slippage verkraften.
- Du handelst liquide Wertpapiere während normaler Handelszeiten.
- Du setzt den Stop nicht zu eng und nicht rein zufällig.
- Du weißt, ob dir Ausführungssicherheit oder Preisgrenze wichtiger ist.
Stop-Loss ist also kein Fehler. Der Fehler besteht darin, ihn falsch zu verstehen.
Praktische Checkliste vor jeder Order
- Was ist mein Ziel? Will ich schnell handeln oder einen bestimmten Preis erzielen?
- Wie liquide ist das Wertpapier? Gibt es enge Spreads und ausreichendes Handelsvolumen?
- Welche Handelszeit ist sinnvoll? Handle ich während der wichtigsten Börsenzeit?
- Welche Orderart passt? Market, Limit, Stop-Loss oder Stop-Limit?
- Was passiert bei einer Kurslücke? Kann ich eine schlechtere Ausführung verkraften?
- Ist die Positionsgröße angemessen? Überlebt mein Depot auch einen größeren Kurssprung?
- Passt die Order zur Strategie? Kurzfristiger Trade oder langfristiges Investment?
- Habe ich Kosten und Steuern bedacht? Automatische Verkäufe können auch steuerliche Folgen haben.
Fazit: Stop-Loss ist ein Werkzeug, keine Versicherung
Stop-Loss-Orders können hilfreich sein, aber sie sind keine Garantie für einen bestimmten Verkaufspreis. Gerade bei Kurssprüngen, Kurslücken, hoher Volatilität oder geringer Liquidität kann der tatsächliche Ausführungskurs deutlich schlechter sein als der Stop-Kurs.
Stop-Limit-Orders lösen dieses Problem nur teilweise: Sie verhindern zwar eine Ausführung unterhalb deines Limits, können dafür aber komplett unausgeführt bleiben. Limit-Orders schützen den Preis, garantieren aber keinen Handel. Market-Orders sorgen meist für schnelle Ausführung, können aber bei ungünstigen Marktbedingungen teuer werden.
Die wichtigste Erkenntnis: Jede Orderart tauscht ein Risiko gegen ein anderes. Es gibt keine perfekte Order, die gleichzeitig Ausführung, Preis, Geschwindigkeit und Sicherheit garantiert. Gute Anleger verstehen deshalb nicht nur, was sie kaufen, sondern auch, wie sie kaufen und verkaufen.
Wenn du langfristig Vermögen aufbauen möchtest, lohnt sich neben der Ordertechnik auch ein Blick auf deine gesamte Strategie. Starte dafür zum Beispiel mit den besten Tipps zum Investieren und Geld anlegen, den Grundlagen zu Aktien, Fonds, ETFs und Wertpapieren oder dem Vergleich verschiedener Anlageklassen mit ihren Vorteilen und Nachteilen.
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung. Er soll dir helfen, Ordertypen und typische Risiken besser zu verstehen. Ob eine bestimmte Orderart für dich sinnvoll ist, hängt von deiner Strategie, deinem Depot, deiner Risikotoleranz und dem jeweiligen Wertpapier ab.