Was wäre, wenn Traurigkeit kein Zustand wäre, den wir möglichst schnell überwinden müssen –
sondern ein innerer Raum, der uns etwas Wesentliches zeigt?
An manchen Tagen geschieht genau das: Wir halten inne. Nicht, weil wir müssen, sondern weil etwas in uns darum bittet. Ein solcher Tag war im Februar 2026 für mich ein Impulstag rund um Abschied, Traurigkeit und neue Wege. Kein lauter Tag. Kein erklärender. Sondern einer, der vor allem mit Worten wirkte, die nachhallen.
„Menschen, denen wir eine Stütze sind, geben uns Halt im Leben.“
Ein einfacher Satz. Und doch einer, der Tränen auslösen kann. Vielleicht, weil er erinnert: Halt ist nichts Einseitiges.
Wer trägt, wird selbst getragen.
Wer begleitet, geht nicht allein.
In einem Raum bewegen sich Menschen langsam, manche bleiben stehen, manche setzen sich innerlich an den Rand eines Weges. Die Frage lautet: Wo stehst du gerade?
Keine Analyse. Kein Ziel. Nur Wahrnehmung.
„Trau dich, stehen zu bleiben.“
Und manchmal zeigt sich dabei etwas Unerwartetes: ein Teil von uns, der zurückgeblieben ist. Erschöpft. Vergessen. Vielleicht aus einem früheren Abschied heraus.
„Ob da noch ein Teil von dir auf einer Bank am Wegesrand sitzt?“
Was wäre, wenn wir diesen Teil nicht länger ignorieren?
Wenn wir ihn nicht antreiben, sondern abholen?
„Wie ist es, wenn du diesen Teil nun an dein Herz drückst und mitnimmst?“
In solchen Momenten wird klar: Weitergehen bedeutet nicht immer schneller werden.
Manchmal bedeutet es, vollständiger zu werden.
Ein Märchen erzählt von einer Tränenfee. Ein Kind bekommt alles – Reichtum, Schönheit, Erfolg. Nur eines fehlt: die Fähigkeit zu weinen. Erst als Erwachsene erhält sie dieses Geschenk. Sie weint tagelang. Und aus jeder Träne wird eine Perle.
„Tränen reinigen unser Herz.“
Was wäre, wenn wir das wieder glauben würden?
Wenn wir Tränen nicht wegwischen, sondern würdigen?
„Traurigkeit ist kein Fehler im System.“
Vielleicht ist sie ein Hinweis darauf, dass etwas gesehen werden möchte. Etwas, das Liebe ist – aber gerade keinen Ort hat.
Manchmal beginnt Erkenntnis nicht im Kopf, sondern in Bewegung.
Schultern kreisen.
Hände schütteln.
Atmen.
Wahrnehmen.
„Danke, liebe Augen. Danke, liebe Tränendrüsen.“
Dankbarkeit für den eigenen Körper wirkt zunächst ungewohnt. Und dann überraschend heilsam. Alles hängt zusammen: Emotionen, Hormone, Muskeln, Tränen.
„Erstaunlich, wie alles verbunden ist.“
Was wäre, wenn wir uns selbst mit dieser Selbstverständlichkeit begegnen würden – nicht funktional, sondern freundlich?
Auch alltägliche Themen bekommen plötzlich Tiefe: Essen. Gewohnheiten. Stress.
„Wir essen nicht immer aus Hunger.“
Und weiter:
„Selbst-Mitgefühl ist hilfreicher als Selbst-Vorwürfe.“
Was für ein Gedanke.
Statt innerem Teufelskreis ein Engelskreis aus Achtsamkeit, Dankbarkeit, Nachsicht.
„Es reicht manchmal eine einzige dankbare Zeile am Abend.“
Ein Mantra klingt durch den Raum. Leise. Gemeinsam.
„Bitte vergib mir. Ich danke dir. Ich liebe dich.“
Manche Worte entfalten ihre Kraft erst, wenn sie nicht erklärt, sondern erlebt werden.
Am Ende Musik. Tanz. Langsam erst, dann freier.
„Eine Kruste fällt ab.“
Nicht, weil alles gelöst ist. Sondern weil etwas wieder fließt.
Ein Satz bleibt besonders hängen:
„Trauer ist Liebe, die gerade nicht weiß, wohin.“
Was wäre, wenn wir Traurigkeit genau so betrachten würden – als Ausdruck von Bindung, Tiefe, Beziehung?
Dann müsste sie nicht mehr versteckt werden.
Dann dürfte sie Teil unserer inneren Landschaft sein.
Orte, an denen solche Begegnungen möglich sind, erinnern daran, wie wertvoll Vielfalt innerer und äußerer Erfahrungen ist.
Mehr dazu findet sich auch im Beitrag „Kraft der Vielfalt“ im Haus der Begegnung:
👉 https://www.haus-der-begegnung.net/post/kraft-der-vielfalt
Was wäre, wenn wir Traurigkeit nicht loswerden wollten,
sondern ihr zuhören würden?
Vielleicht würde sie uns nicht aufhalten.
Sondern – leise, ehrlich – den nächsten Schritt zeigen.
Diese Website benutzt Cookies. 🍪 Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos