Schwache Entwicklung: Wie Deutschland den Verkauf von E-Autos beschleunigen könnte

Letztes Update: Dienstag, 16. August 2016 - 16:40 Uhr

Die Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland ist mit einem Wort treffend beschreibbar: enttäuschend. Seit Jahren entscheiden sich nur wenige Bundesbürger für ein E-Auto und die Bundesregierung scheint keine großen Pläne zu haben, die Situation zu ändern. Dabei gibt es außerhalb der deutschen Landesgrenzen Beispiele, wie der Absatz der elektrischen Fahrzeuge angekurbelt werden kann. Norwegen ist das jüngste Beispiel.

Im August 2007 deklarierte die Bundesregierung die Elektromobilität zu einem der wichtigsten Elemente, um die gewünschten Klimaschutzziele zu erreichen. Zwei Jahre später wurde der Nationale Entwicklungsplane Elektromobilität (NEP) verabschiedet. Dessen Ziel: Bis 2020 sollen zumindest eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein, zehn Jahre später sechsmal so viele.

Den persönlichen Wunsch nach Nachhaltigkeit durchsetzen

Wir schreiben das Jahr 2016 und von dem Erreichen dieses Ziels ist Deutschland so weit entfernt, dass man getrost sagen kann, dass es nicht dazu kommen wird. Glücklicherweise gibt es einige Verbraucher, die trotz der schwachen Anstrengungen der Bundesregierung Eigeninitiative zeigen.

Bei vielen von ihnen wurde das Bewusstsein für Nachhaltigkeit geweckt. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung gerieten Umwelt- und Klimaprobleme in Europa ab 2008 aufgrund der Finanzkrise in den Hintergrund. Dennoch wurde das Thema Umweltschutz nicht außer Acht gelassen, wie die Studie Umweltbewusstsein in Deutschland 2014 beweist. Grüner Konsum etabliert sich langsam im Bereich Mainstream. Jeder zweite Befragte der Studie gibt an, beim Kauf von Leuchtmitteln und Haushaltsgeräten auf Energieeffizienz zu achten.

Diese Denkweise ist auch bei Automobilen zu beobachten. Obwohl die Hersteller mit neuen Sicherheits- und Komfortfeatures versuchen, Kunden zu überzeugen, wünschen diese sich in erster Linie Kraftstoffeffizienz[1].

Derzeit müssen Autofahrer also selbst aktiv werden, wenn sie nachhaltig mit einem Auto unterwegs sein möchten. Der erste Schritt: Den Benziner verkaufen. Bewohner Deutschlands haben den Vorteil, dass der Gebrauchtwagenmarkt groß ist. Einen gebrauchten Pkw zu verkaufen ist nicht schwierig. Wer sein Auto online bewerten und anschließend verkaufen möchte, findet unter dem angegebenen Link ein kostenloses Serviceangebot. Der Ablauf ist simpel:

  • kostenlose Onlinebewertung durchführen
  • Auto von Experten vor Ort bewerten lassen
  • Kaufvertrag mit Dienstleister abschließen
  • Auto abmelden lassen
  • den vereinbarten Betrag erhalten

Mit dem Geld können Verbraucher ein E-Auto finanzieren. Noch hilft ihnen der Staat nicht beim Kauf eines elektrischen Fahrzeugs. Andere Länder sind den Deutschen in diesem Bereich voraus.

 

Der aktuelle Stand der deutschen E-Mobilität

Die meisten Elektroautos wurden laut dem Statistischen Bundesamt in Baden-Württemberg und Bayern (jeweils rund 4.000 Fahrzeuge), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (2.976), Niedersachsen (2.006) und Hessen (1.426) gekauft. In Mecklenburg-Vorpommern (126), Sachsen-Anhalt (150) sowie dem Saarland (164) scheinen E-Autos nicht besonders beliebt zu sein.

Insgesamt gibt es 78.765 Elektrofahrzeuge in Deutschland. Zu wenige, um das gesetzte Ziel in weniger als vier Jahren zu erreichen. Das gilt insbesondere, wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre ansieht:

Elektroauto jährliche Absatzzahlen in Deutschland bis 2020
Elektroauto jährliche Absatzzahlen in Deutschland bis 2020

Die Anzahl an Neuzulassungen wuchs von 2015 auf das Jahr 2016[2] um 34,6 Prozent. In der obigen Grafik wird angenommen, dass die Anzahl an Neuzulassungen in diesem Rhythmus zunehmen würde – was mehr als optimistisch ist. In diesem Fall wäre es noch immer unmöglich, das von der Bundesregierung gesetzte Ziel von eine Million E-Autos zu erreichen. 2020 wären rund 305.000 elektrische Pkws auf Deutschlands Straßen unterwegs.

Staatliche Subventionen made in China

In Deutschland wird von der Autoindustrie seit geraumer Zeit gefordert, finanzielle Anreize für den Kauf eines E-Autos anzubieten. Derzeit werden Käufer einige Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Das Bundeskabinett diskutiert seit geraumer Zeit von einer Kaufprämie bis 5.000 Euro für E-Fahrzeuge.

China zeigt den Deutsche, wie der Staat den Kauf von E-Autos animieren kann. 2015 wurden 188.000 E-Fahrzeuge zugelassen – mehr als in keinem anderen Land der Welt. Bis 2020 plant man, 12.000 Ladestationen und 4,8 Millionen Ladesäulen aufzustellen. Dadurch sollen fünf Millionen E-Autos in China unterwegs sein.

Das alleine garantiert nicht, dass Bürger das E-Auto dem klassischen Fahrzeug bevorzugen. Deshalb gibt es in China verschiedene Kaufprämien und Steuervorteile, die in ihrer Kombination vorteilhaft sind.

 

Die Verbannung von Verbrennungsmotoren in Norwegen

Hoch im Norden Europas, in Norwegen, geht man einen Schritt weiter als in China. Die Regierung plant, dass ab 2025 alle Fahrzeuge einen elektrischen Antrieb besitzen.

Der neuste nationale Transportplan des Landes (Nasjonal Transportplan 2018–2029) gibt einen Einblick in die geplante Mobilität des Landes. Darunter ein Verbot für den Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Ab 2025 sollen nur noch elektrisch betriebene Fahrzeuge oder Pkws mit Brennstoffzellen erhältlich sein.

Das Parlament des Landes hat diesen gravierenden Änderungen noch nicht zugestimmt. Die Chancen sind jedoch groß, wenn man den Einsatz Norwegens im Bereich Umweltschutz in den letzten Jahren verfolgt hat. Norwegen ist als einzige Industrienation in der Lage, nahezu eigenständig seinen Energiebedarf (durch Wasserkraft) zu stillen.

 


  1. Oliver Wyman, Fahrzeuginnovation: Vorfahrt für das Kundenerlebnis

  2. Daten stammen vom 1. Januar jedes Jahres


 

 

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