E-Autos in Deutschland: Update 2023

Update: Dienstag, 21. November 2023

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In den letzten Jahren stiegen die Neuzulassungen für E-Autos in Deutschland deutlich an. Während 2019 gerade einmal 3 % aller neuzugelassenen Pkws batterieelektrische Fahrzeuge oder Plug-In-Hybride waren, waren es 2020 immerhin bereits rund 14 %. 2021 konnte fast eine Verdopplung dieses Wertes festgestellt werden, da der Marktanteil dann bei 26 % lag. Im November 2022 wurde der bisherige Rekord aufgestellt: In diesem Monat handelte es sich bei knapp 40 % aller Neuzulassungen um E-Autos! In den nachfolgenden Monaten nahm der Marktanteil jedoch rapide ab, erlebte jedoch kürzlich einen erneuten Peak. Im August 2023 wurden rund 87.000 E-Autos neu in Deutschland zugelassen, was etwa jeder dritten Neuzulassung entspricht. Seitdem geht es allerdings wieder abwärts und es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach E-Autos weiterhin sinken wird. Diese turbulente Entwicklung hat mehrere Gründe, wie nachfolgend aufgezeigt wird.

E-Auto

 

Finanzielle Anreize fallen weg

Die plötzlich so große Beliebtheit von E-Autos ist nicht nur auf das verstärkte Umweltbewusstsein der Bevölkerung zurückzuführen, sondern auch auf konkrete finanzielle Anreize. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) motiviert seit 2016 mit Fördermitteln dazu, E-Autos zu kaufen oder zu leasen. Dabei handelte es sich zuerst um den sogenannten Umweltbonus. Mitte 2020 wurde die doppelt so hohe Innovationsprämie eingeführt, durch welche Tausende von Euros bei der Anschaffung eines E-Autos gespart werden konnte. Der Zuschuss konnte abhängig vom gewählten Modell pro Wagen bei mehr als 8.000 Euro liegen. Für zahlreiche Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften sowie Vereine offensichtlich ein großer Anreiz, auf E-Autos umzusteigen. Diese Förderungen werden nun aber nach und nach eingegrenzt. Seit Beginn des Jahres 2023 werden Plug-In-Hybride nicht mehr gefördert, nur noch für reine E-Autos kann die Innovationsprämie beantragt werden Das kann erklären, weshalb Ende 2022 die Nachfrage einen Höhepunkt erreichte, denn wer eine Förderung für einen solchen Hybridwagen erhalten wollte, musste nun zugreifen. Zudem sank der Maximalwert der Innovationsprämie auf 6.750 Euro pro Wagen.

Förderung nur noch für Privatpersonen

Ein ähnliches Phänomen ist im Sommer 2023 zu erkennen, denn seit dem 1. September 2023 sind nur noch Privatpersonen antragsberechtigt. E-Autos wurden bisher jedoch zu einem großen Anteil von Unternehmen angeschafft. Der Wegfall der Prämie für gewerbliche Kunden wird auch zukünftig dazu führen, dass insgesamt weniger E-Autos angeschafft werden. Ab Januar 2024 werden nur noch reine E-Autos gefördert, deren Listenpreis 40.000 Euro nicht überschreitet. Die Fördersummen werden 2024 außerdem erneut reduziert und der Fördertopf für das gesamte Jahr 2024 wurde auf 1,3 Milliarden Euro gedeckelt. Zum Vergleich: Allein im Jahr 2021 wurden über 3 Milliarden Euro an Fördermitteln ausgezahlt, insgesamt beträgt die Summe inzwischen rund 9,5 Milliarden. Die Anreize, ein E-Auto anzuschaffen, werden somit von Jahr zu Jahr geringer. Die Antragsstellung ist zudem erst nach der Zulassung möglich, eine Auszahlung nicht sicher. Auch das mag einige davon abhalten, ein E-Auto zu kaufen oder zu leasen.

Auch wenn es also zwischenzeitlich danach aussah, als könnte Deutschland doch noch zu einem Land werden, in dem E-Autos die Normalität darstellen, wird nun immer klarer, dass dem nicht so ist. Das Regierungsziel von 15 Millionen E-Autos in Deutschland bis 2030 kann mit großer Sicherheit nicht annähernd erreicht werden. Derzeit sind in Deutschland weniger als 1,5 Millionen E-Autos zugelassen. Realistisch geschätzt werden 2030 vermutlich um die 7 oder 8 Millionen E-Autos auf den deutschen Straßen unterwegs sein.

 

Die beliebtesten E-Autos 2023

Wenn man sich den derzeitigen Bestand an E-Autos in Deutschland anschaut, ist ganz klar, welcher Hersteller die Nase vorn hat: VW! Bis Juli 2023 waren rund 210.000 Elektrofahrzeuge von VW in Deutschland zugelassen. Dazu kommen Modelle von weiteren Marken der Volkswagen Group wie Audi (rund 55.000 E-Autos), Seat (rund 25.000 E-Autos), Porsche (rund 10.000 E-Autos) und Škoda (rund 35.000 E-Autos). Allein der ŠKODA ENYAQ wurde im Jahr 2023 13.000 mal neu in Deutschland zugelassen. Im August 2023 gehört das Modell sogar zu den Top 5 E-Auto-Neuzulassungen. Das Fahrzeug überzeugt unter anderem mit seiner großen Reichweite und ist somit auch für längere Fahrten geeignet. Weitere ŠKODA ENYAQ Infos sind beispielsweise hier zu finden. Mangelnde Reichweite ist nach wie vor eines der größten Probleme mit E-Autos. Wenn dies langfristig und kosteneffizient gelöst werden kann, ist mit einem erneuten Boom für E-Autos zu rechnen.

Die zweitmeisten zugelassenen E-Autos in Deutschland verzeichnet Tesla. Das überrascht wohl die wenigsten, schließlich ist das Unternehmen zu einem Aushängeschild für Elektromobilität geworden und produziert seit März 2022 im ersten europäischen Tesla-Werk bei Berlin das Model Y. Rund 146.000 E-Autos von Tesla waren bis Juli 2023 in Deutschland zugelassen. Im vorangegangenen Jahr stieg der E-Auto Bestand dabei um beeindruckende 90 %. Auch wenn zukünftig vermutlich weniger E-Autos neu zugelassen werden, so ist es gut möglich, dass Tesla weiterhin an Beliebtheit gewinnt und VW langfristig in Sachen E-Autos einholen oder gar überholen kann. Renault liegt mit knapp 115.00 zugelassenen E-Autos in Deutschland bis Juli 2023 aktuell auf Platz 3. Der Renault Zoe ist das meistverbreitete E-Auto-Modell in Deutschland. Rund 85.000 dieser Autos sind in Deutschland zugelassen.

Stand jetzt ist also davon auszugehen, dass E-Autos auf deutschen Straßen zunächst deutlich in der Minderheit bleiben. Möglicherweise können aber zukünftige Innovationen, die E-Autos wesentlich günstiger machen und/oder das Reichweitenproblem zuverlässig lösen, ein Umdenken herbeiführen. Wünschenswert wäre auch, wenn Politik und Autohersteller viel schneller alle Möglichkeiten nutzen, um die Mobilität ganzheitlich neu zu denken. Es wird fleißig an Verkehrskonzepten der Zukunft geforscht. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst schnell alle Verbrenner-Motoren gegen Elektromotoren zu ersetzen. Es müssen gleichzeitig viele Aspekte neu gedacht und umgesetzt werden, um den gesamten Verkehr klimaneutral, sicher und effizient auf ein neues Level zu bringen.

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